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1733

Auf das Osterfest

Johann Christoph Gottsched

Flieht, düstre Trauerwolken, flieht! Denn der erstandne Heiland zieht Aus dem verschloßnen Felsengrabe. Ihr Thränen! fahret hin,

Daß den bisher betrübten Sinn Ein Stral der Freuden labe. Betrübte Christenheit! Laß dein gemehrtes Grämen

Itzund ein Ende nehmen. Die schmerzerfüllte Leidenszeit, Die dein Erlöser ausgestanden, Ist schon vorbey:

Auch von des Todes Banden Macht unser Held sich frey. Sieh! wie er aus dem Grabe geht, Und rüstig aufersteht.

Theures Zion! freue dich! Laß in deines Tempels Chören Lauter Jubellieder hören; Fülle deinen Mund mit Lust!

Zeuch den Flor vom Angesichte; Labe die gekränkte Brust, Nahe dich zum Freudenlichte, Christi Grab eröffnet sich.

Wiewohl es ist noch nicht genug, Du mußt auch selbst dem Herren ähnlich werden. Der Tod, der ihn zu Boden schlug, Muß auch von dir

Empfunden werden. Die Lüste müssen für und für Im Leibe deiner Sünden Das Kreuz empfinden.

Drum tödte nur in deiner Brust Des alten Adams böse Lust; Das Fleisch laß untergehn, Und deinen Geist mit Christo auferstehn;

Ja dem erfolgten Leben Ein neues Ansehn geben. Höchster! laß den Ostertag Auch zu meinem Heil gedeyen;

Laß doch Christi Purpurschein Meine Morgenröthe seyn: Und da er im Grabe lag, Auch mein Herz sich hoch erfreuen.

Höchster! laß den Ostertag Auch zu meinem Heil gedeyen.

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