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1790

Suleika

Johann Wolfgang Goethe

Ach, um deine feuchten Schwingen, West, wie sehr ich dich beneide: Denn du kannst ihm Kunde bringen, Was ich in der Trennung leide!

Die Bewegung deiner Flügel Weckt im Busen stilles Sehnen; Blumen, Augen, Wald und Hügel Stehn bei deinem Hauch in Tränen.

Doch dein mildes sanftes Wehen Kühlt die wunden Augenlider; Ach, für Leid müßt ich vergehen, Hofft ich nicht, zu sehn ihn wieder.

Eile denn zu meinem Lieben, Spreche sanft zu seinem Herzen; Doch vermeid, ihn zu betrüben, Und verbirg ihm meine Schmerzen.

Sag ihm aber, sag's bescheiden: Seine Liebe sei mein Leben, Freudiges Gefühl von beiden Wird mir seine Nähe geben.

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Suleika · Johann Wolfgang Goethe · Poetry Cove