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1790

[Locken, haltet mich gefangen]

Johann Wolfgang Goethe

Locken, haltet mich gefangen In dem Kreise des Gesichts! Euch geliebten braunen Schlangen Zu erwidern hab ich nichts.

Nur dies Herz, es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Rast ein Ätna dir hervor.

Du beschämst wie Morgenröte Jener Gipfel ernste Wand, Und noch einmal fühlet Hatem Frühlingshauch und Sommerbrand.

Schenke, her! Noch eine Flasche! Diesen Becher bring ich ihr! Findet sie ein Häufchen Asche, Sagt sie: der verbrannte mir.

Nimmer will ich dich verlieren! Liebe gibt der Liebe Kraft. Magst du meine Jugend zieren Mit gewalt'ger Leidenschaft.

Ach! wie schmeichelt's meinem Triebe, Wenn man meinen Dichter preist. Denn das Leben ist die Liebe, Und des Lebens Leben Geist.

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