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1817

Klaggesang

Johann Wolfgang Goethe

So singet laut den Pillalu Zu mancher Träne Sorg und Not: Och orro orro ollalu, O weh, des Herren Kind ist tot

Zu Morgen, als es tagen wollt, Die Eule kam vorbeigeschwingt, Rohrdommel Abends tönt im Rohr. Ihr nun die Totensänge singt:

Och orro orro ollalu. Und sterben du? warum, warum Verlassen deiner Eltern Lieb? Verwandten Stammes weiten Kreis?

Den Schrei des Volkes hörst du nicht: Och orro orro ollalu. Und scheiden soll die Mutter, wie, Von ihrem Liebchen schön und süß?

Warst du nicht ihres Herzens Herz, Der Puls, der ihm das Leben gab? Och orro orro ollalu. Den Knaben läßt sie weg von sich,

Der bleibt und west für sich allein, Das Frohgesicht, sie sieht's nicht mehr, Sie saugt nicht mehr den Jugendhauch. Och orro orro ollalu.

Da sehet hin an Berg und Steg, Den Uferkreis am reinen See, Von Waldesecke, Saatenland, Bis nah heran zu Schloß und Wall.

Och orro orro ollalu. Die Jammernachbarn dringen her Mir hohlem Blick und Atem schwer; Sie halten an und schlängeln fort

Und singen Tod im Totenwort: Och orro orro ollalu. So singet laut den Pillalu, Und weinet, was ihr weinen wollt!

Och orro orro ollalu, Des Herren einz'ger Sohn ist fort.

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