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1781

Grenzen der Menschheit

Johann Wolfgang Goethe

Wenn der uralte Heilige Vater Mit gelassener Hand Aus rollenden Wolken

Segnende Blitze Über die Erde sät, Küß ich den letzten Saum seines Kleides,

Kindliche Schauer Treu in der Brust. Denn mit Göttern Soll sich nicht messen

Irgendein Mensch Hebt er sich aufwärts Und berührt Mit dem Scheitel die Sterne,

Nirgends haften dann Die unsichern Sohlen, Und mit ihm spielen Wolken und Winde.

Steht er mit festen, Markigen Knochen Auf der wohlgegründeten, Dauernden Erde,

Reicht er nicht auf, Nur mit der Eiche Oder der Rebe Sich zu vergleichen.

Was unterscheidet Götter von Menschen? Daß viele Wellen Vor jenen wandeln,

Ein ewiger Strom: Uns hebt die Welle, Verschlingt die Welle, Und wir versinken.

Ein kleiner Ring Begrenzt unser Leben, Und viele Geschlechter Reihen sich dauernd

An ihres Daseins Unendliche Kette.

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