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1816

Frühling übers Jahr

Johann Wolfgang Goethe

Das Beet, schon lockert Sich's in die Höh, Da wanken Glöckchen So weiß wie Schnee;

Safran entfaltet Gewalt'ge Glut, Smaragden keimt es Und keimt wie Blut.

Primeln stolzieren So naseweis, Schalkhafte Veilchen, Versteckt mit Fleiß;

Was auch noch alles Da regt und webt, Genug, der Frühling, Er wirkt und lebt.

Doch was im Garten Am reichsten blüht, Das ist des Liebchens Lieblich Gemüt.

Da glühen Blicke Mir immerfort, Erregend Liedchen, Erheiternd Wort,

Ein immer offen, Ein Blütenherz, Im Ernste freundlich Und rein im Scherz.

Wenn Ros und Lilie Der Sommer bringt, Er doch vergebens Mit Liebchen ringt.

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