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1772

Elysium

Johann Wolfgang Goethe

Uns gaben die Götter Auf Erden Elysium. Wie du das erste Mal Liebahndend dem Fremdling

Entgegentratst Und deine Hand ihm reichtest, Fühlt' er alles voraus, Was ihm für Seligkeit

Entgegenkeimte. Uns gaben die Götter Auf Erden Elysium. Wie du den liebenden Arm

Um den Freund schlangst, Wie ihm Lilas Brust Entgegenbebte, Wie ihr, euch rings umfassend,

In heil'ger Wonne schwebtet Und ich, im Anschaun selig, Ohne sterblichen Neid Darneben stand.

Uns gaben die Götter Auf Erden Elysium. Wie durch heilige Täler wir Händ in Hände wandelten

Und des Fremdlings Treu Sich euch versiegelte, Daß du dem liebenden, Stille sehnenden

Die Wange reichtest Zum himmlischen Kuß. Uns gaben die Götter Auf Erden Elysium.

Wenn du fern wandelst Am Hügelgebüsch, Wandeln Liebesgestalten Mit dir den Bach hinab;

Wenn mir auf dem Felsen Die Sonne niedergeht, Seh ich Freundegestalten Mir winken durch

Wehende Zweige Des dämmernden Hains. Uns gaben die Götter Auf Erden Elysium.

Seh ich, verschlagen Unter schauernden Himmels Öde Gestade, In der Vergangenheit

Goldener Myrtenhainsdämmerung Lilan an deiner Hand, Seh mich Schüchternen Eure Hände fassen,

Bittend blicken, Eure Hände küssen – Eure Augen sich begegnen, Auf mich blicken seh ich,

Werfe den hoffenden Blick Auf Lila; sie nähert sich mir, Himmlische Lippe! Und ich wanke, nahe mich,

Blicke, seufze, wanke – Seligkeit! Seligkeit! Eines Kusses Gefühl! Mir gaben die Götter

Auf Erden Elysium! Ach, warum nur Elysium!

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