Skip to content
1790

[Ein Kaiser hatte zwei Kassiere]

Johann Wolfgang Goethe

Ein Kaiser hatte zwei Kassiere, Einen zum Nehmen, einen zum Spenden; Diesem fiel's nur so aus den Händen, Jener wußte nicht, woher zu nehmen.

Der Spendende starb; der Herrscher wußte nicht gleich, Wem das Geberamt sei anzuvertrauen, Und wie man kaum tät um sich schauen, So war der Nehmer unendlich reich;

Man wußte kaum vor Gold zu leben, Weil man einen Tag nichts ausgegeben. Da ward nun erst dem Kaiser klar, Was schuld an allem Unheil war.

Den Zufall wußt er wohl zu schätzen, Nie wieder die Stelle zu besetzen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
[Ein Kaiser hatte zwei Kassiere] · Johann Wolfgang Goethe · Poetry Cove