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1773

Dilettant und Kritiker

Johann Wolfgang Goethe

Es hatt ein Knab eine Taube zart, Gar schön von Farben und bunt, Gar herzlich lieb, nach Knabenart, Geätzet aus seinem Mund

Und hatte so Freud am Täubchen sein, Daß er nicht konnte sich freuen allein. Da lebte nicht weit ein Alt-Fuchs herum, Erfahren und lehrreich und schwätzig darum;

Der hatte den Knaben manch Stündlein ergetzt, Mit Wundern und Lügen verprahlt und verschwätzt. „Muß meinem Fuchs doch mein Täubelein zeigen!“ Er lief und fand ihn strecken in Sträuchen.

„Sieh, Fuchs, mein lieb Täublein, mein Täubchen so schön! Hast du dein' Tag' so ein Täubchen gesehn?“ „Zeig her!“ – Der Knabe reicht's. – „Geht wohl an; Aber es fehlt noch, manches dran.

Die Federn, zum Exempel, sind zu kurz geraten.“ Da fing er an, rupft' sich den Braten. Der Knabe schrie. – „Du mußt stärkre einsetzen, Sonst ziert's nicht, schwinget nicht.“

Da war's nackt – Mißgeburt! – und in Fetzen. Dem Knaben das Herze bricht. Wer sich erkennt im Knaben gut, Der sei vor Füchsen auf seiner Hut.

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