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1790

[Die schön geschriebenen]

Johann Wolfgang Goethe

Die schön geschriebenen, Herrlich umgüldeten Belächeltest du, Die anmaßlichen Blätter,

Verziehst mein Prahlen Von deiner Lieb und meinem Durch dich glücklichen Gelingen, Verziehst anmutigem Selbstlob.

Selbstlob! Nur dem Neide stinkt's, Wohlgeruch Freunden Und eignem Schmack! Freude des Daseins ist groß,

Größer die Freud am Dasein, Wenn du, Suleika, Mich überschwenglich beglückst, Deine Leidenschaft mir zuwirfst,

Als wär's ein Ball, Daß ich ihn fange, Dir zurückwerfe Mein gewidmetes Ich;

Das ist ein Augenblick! Und dann reißt mich von dir Bald der Franke, bald der Armenier. Aber Tage währt's,

Jahre dauert's, daß ich neu erschaffe Tausendfältig deiner Verschwendungen Fülle, Auftrösle die bunte Schnur meines Glücks, Geklöppelt tausendfadig

Von dir, o Suleika. Hier nun dagegen Dichtrische Perlen, Die mir deiner Leidenschaft

Gewaltige Brandung Warf an des Lebens Verödeten Strand aus. Mit spitzen Fingern

Zierlich gelesen, Durchreiht mit juwelenem Goldschmuck, Nimm sie an deinen Hals,

An deinen Busen! Die Regentropfen Allahs, Gereift in bescheidener Muschel.

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