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1822

Das Sträußchen

Johann Wolfgang Goethe

Wehet ein Lüftchen Aus fürstlichen Wäldern; Da läufet das Mädchen, Da läuft es zum Bach,

Schöpft in beschlagne Eimer das Wasser. Vorsichtig, bedächtig Versteht sie zu schöpfen.

Am Flusse zum Mädchen Schwimmet ein Sträußchen, Ein duftiges Sträußchen Von Veilchen und Rosen.

„Wenn ich, du holdes Blümchen, es wüßte, Wer dich gepflanzet In lockeren Boden,

Wahrlich! dem gäb ich Ein goldenes Ringlein. Wenn ich, du holdes Sträußchen, es wüßte,

Wer dich mit zartem Baste gebunden, Wahrlich! dem gäb ich Die Nadel vom Haare.

Wenn ich, du holdes Blümchen, es wüßte, Wer in den kühlen Bach dich geworfen,

Wahrlich! dem gäb ich Mein Kränzlein vom Haupte.“ Und so verfolgt sie Das eilende Sträußchen,

Sie eilet vorauf ihm, Versucht es zu fangen: Da fällt, ach! da fällt sie Ins kühlige Wasser.

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