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1790

An die Unschuld

Johann Wolfgang Goethe

Schönste Tugend einer Seele, Reinster Quell der Zärtlichkeit! Mehr als Biron, als Pamele Ideal und Seltenheit!

Wenn ein andres Feuer brennet, Flieht dein zärtlich schwaches Licht; Dich fühlt nur, wer dich nicht kennet, Wer dich kennt, der fühlt dich nicht.

Göttin, in dem Paradiese Lebtest du mit uns vereint; Noch erscheinst du mancher Wiese Morgens, eh die Sonne scheint.

Nur der sanfte Dichter siehet Dich im Nebelkleide ziehn; Phöbus kömmt, der Nebel fliehet, Und im Nebel bist du hin.

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