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1790

14

Johann Wolfgang Goethe

Ihr liebt, und schreibt Sonette! Weh der Grille! Die Kraft des Herzens, sich zu offenbaren, Soll Reime suchen, sie zusammenpaaren; Ihr Kinder, glaubt, ohnmächtig bleibt der Wille.

Ganz ungebunden spricht des Herzens Fülle Sich kaum noch aus: sie mag sich gern bewahren; Dann Stürmen gleich durch alle Saiten fahren. Dann wieder senken sich zu Nacht und Stille.

Was quält ihr euch und uns, auf jähem Stege Nur Schritt vor Schritt den läst'gen Stein zu wälzen, Der rückwärts lastet, immer neu zu mühen? Im Gegenteil, wir sind auf rechtem Wege

Das Allerstarrste freudig aufzuschmelzen, Muß Liebesfeuer allgewaltig glühen.

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14 · Johann Wolfgang Goethe · Poetry Cove