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1784

Ueber ein Gemälde

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Amor mit gelocktem Haar' Schwebt auf Myrthen hier und Rosen, Und er scheint sein Täubchenpaar Voller Unschuld liebzukosen;

Doch aus seinen Pfeilen sprühet, Von der Eifersucht geglühet, Funk' auf Funke, hell empor. Denkst du mehr noch als zuvor

Wärm' im Herzen zu erregen? O du wirst es, kleiner Thor! Ganz dadurch in Asche legen. Einmal muß man freilich sterben,

Doch man stirbt auch leicht zu früh. Laß die Eifersucht doch nie, Amor! solch ein Herz verderben, Das sich nicht für einz'gen Erben

Alles Liebenswürd'gen hält; Das zwar Eine nur von allen Oben an auf immer stellt, Doch der zweiten, die ihr gleichet,

Wenn es Sympathie bestimmt, Freundlich auch ein Veilchen reichet, Und sich freuet, wenn sie's nimmt; Aber selbst im schlimmsten Falle

Ihrer Rose nie begehrt, Und der Einen über Alle, Eben dieses gern gewährt. Amor! Nur in solchen Herzen

Bist du sicher deiner Macht, Selbst noch dann, wenn Hymens Kerzen Längstens sie ans Ziel gebracht. Andre kann in Einer Nacht

Dein bethörter Wahn verscherzen.

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