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1784

Nachts, zwölf Uhr

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Der Himmel ist so trübe, Es scheint nicht Mond, nicht Stern, Der aber, den ich liebe, Ist itzt so fern, so fern!

Und schwor an meinem Munde Beim Auseinandergehn, Gerad' um diese Stunde Zum Mond' hinauf zu sehn.

Und du willst nicht erscheinen, Daß unsre Blicke sich Auf dir, o Mond, vereinen, Der uns so oft beschlich,

Wenn Worte das nicht sagten, Was Thränen kaum hinzu Zu setzen, furchtsam wagten, Die Niemand sah, als du?

Wenn Liebe nicht zu sprechen, Ja kaum zu seufzen wagt, Ist sie denn ein Verbrechen, Das am Gewissen nagt?

So hab' ich kein Gewissen, So hab' ich nur ein Herz! Denn selbst nach tausend Küssen Fühlt jenes keinen Schmerz.

Nur Sehnsucht schleicht mit Schmerzen Sich jetzt zu mir heran; Doch steckt ihr eure Kerzen, Orion! Hesper! an:

Dann fällt mit einem Male Auf euch des Trauten Blick, Und o! mit Eurem Strahle Auf Nanten gleich zurück!

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