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1784

Junker Franz

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Ist Krauf, mein Informator, toll, Daß ich Latein soll lernen? Er denkt mit guten Worten wohl, Der Schulfuchs! mich zu körnen?

Doch körn' er nur, mein Herr Pedant! Wir haben auch, Gottlob! Verstand. Ha ha! Wer auf dem Kopfe geht, Mag glauben, daß die Raben

Und Füchse, wie im Phädrus steht, Vordem gesprochen haben. Der Phädrus ist ein Narr, wie Krauf; Lügt nur! Mir bindet ihr nichts auf.

Französisch lern' ich noch zur Noth Wohl etwas radebrechen; Ich Narr werd' immer blaß und roth, Wenn Fräulein mit mir sprechen,

Und ich bei ihrem: „hé! Monsieur?“ Wie Butter an der Sonne steh'. Was soll ich übrigens mich noch Mit Christenthume plagen?

Ja! pros't die Mahlzeit! weiß ich doch Die Catechismus-Fragen. Was geht mich Doctor Luther an? Dafür bin ich ein Edelmann!

Ich lasse lieber fix dafür Die Jungen exerciren, Und übe mich, als Offizier Sie wacker auszuschmieren,

Und trommle meinen Zapfenstreich Dem besten Trommelschläger gleich. Auch kann ich über Zäune hin Mit unserm Schimmel setzen,

Und, ohne mich zu rühmen, bin Ich Meister schon im Hetzen. Und unser Kammerkätzchen wehrt – Doch still! daß es Mama nicht hört.

Ha! hab' ich erst einmal das Gut: Das soll ein Leben werden! Mit meinem großen Federhut' Und Hunden, Jägern, Pferden

Und Bauren, will ich Tag und Nacht Heraus zur Hetz' und Klapperjagd. Verdammt! das Ding steigt mir zu Kopf, Daß Krauf mich so will necken!

Erwisch' ich ihn einmal beim Schopf': Ich schlag' ihm blaue Flecken; Und werd' ich gar Gerichtsherr noch, Dann sollst du mir ins Hundeloch!

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Junker Franz · Leopold Friedrich Günther von Goeckingk · Poetry Cove