Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
Was soll ich sagen? O Freund! O Freund! Seit dreien Tagen Hab' ich geweint.
Die Augen gehn Mir itzt noch über, Denn dich, mein Lieber, Nicht wiedersehn:
O! der Gedanke Macht meinen Wein Zum Schierlingstranke, Mischt Wermuth ein
In meine Speise, Macht meinen Schlaf Verwirrt und leise, Und mich zum Greise.
Denn ach! dich traf, In meinem Traume, Schon ein Kroat, Der hinterm Baume
Hervor nun trat, Dich, der voll Blut Vom Hügel rollte, Ausplündern wollte,
Und deinen Hut Schon nahm, als Wuth Mir Adlersflügel Zur Rache gab.
Ich sprang den Hügel Im Hui! herab, Riß aus der Scheide Den Degen dir;
Ins Eingeweide Stieß ich mit Gier Ihn dem Kroaten, Daß selbst ihm aus
Dem Kopf' heraus Die Augen traten. Drauf legt' ich mir Dich auf den Schooß,
Und machte dir Den Busen bloß, Stopft' in die Wunde Mein Tuch hinein,
Bließ mit dem Munde Dir Odem ein, Und rief unzählig Bei Namen dich.
Da regt' allmählig Dein Auge sich; Mit Danken blicktest Noch einmal du
Mich an, und nicktest Leb' wohl! mir zu. Ich aber sprang Nun auf, und ging
Umher, und rang Die Händ' und fing So laut, um deinen Verlust, zu weinen
Im Schlafen an, Daß Nantchen dann, So fest sie schlief, Mich hört' und rief:
Was fehlt dir, Mann? „Ach! Stamford liegt, – Sieh hier! – erschossen!“ Im Traum' doch? Possen!
Der Traum betrügt! Ermuntre dich, Und sey vergnügt! Denn der hier liegt,
Mann! das bin ich! – „O! Gott sey Dank! So lebt er? – doch, Ist er wohl noch
Gesund? Nicht krank?“ Wie können doch Dir Träume, Kind, Den Schlummer rauben,
Die, kannst mir glauben, Nur Täuscher sind. Um einen Traum Sich so betrüben!
Er hat ja kaum An dich geschrieben? Wer wird gleich schier Das schlimmste wähnen?
Komm'! laß die Thränen Abtrocknen dir! – Nun Herz! schlaf' ein! Und Stamfords Wächter
Wirst du, Gerechter Im Himmel, seyn! – „Das wird er seyn! Wohlan, ihr Zähren,
So haltet ein. Wann Gott gewähren Den Wunsch mir wird, Daß nicht die Klinge
Des Kriegs mehr schwirrt, Und ich den Freund Wie sonst umschlinge: Dann weinet beide
Ihr Augen, weint Gott Dank, ihm Freude!“
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