Skip to content
1784

Göckingk an StamfordFußnoten

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Was soll ich sagen? O Freund! O Freund! Seit dreien Tagen Hab' ich geweint.

Die Augen gehn Mir itzt noch über, Denn dich, mein Lieber, Nicht wiedersehn:

O! der Gedanke Macht meinen Wein Zum Schierlingstranke, Mischt Wermuth ein

In meine Speise, Macht meinen Schlaf Verwirrt und leise, Und mich zum Greise.

Denn ach! dich traf, In meinem Traume, Schon ein Kroat, Der hinterm Baume

Hervor nun trat, Dich, der voll Blut Vom Hügel rollte, Ausplündern wollte,

Und deinen Hut Schon nahm, als Wuth Mir Adlersflügel Zur Rache gab.

Ich sprang den Hügel Im Hui! herab, Riß aus der Scheide Den Degen dir;

Ins Eingeweide Stieß ich mit Gier Ihn dem Kroaten, Daß selbst ihm aus

Dem Kopf' heraus Die Augen traten. Drauf legt' ich mir Dich auf den Schooß,

Und machte dir Den Busen bloß, Stopft' in die Wunde Mein Tuch hinein,

Bließ mit dem Munde Dir Odem ein, Und rief unzählig Bei Namen dich.

Da regt' allmählig Dein Auge sich; Mit Danken blicktest Noch einmal du

Mich an, und nicktest Leb' wohl! mir zu. Ich aber sprang Nun auf, und ging

Umher, und rang Die Händ' und fing So laut, um deinen Verlust, zu weinen

Im Schlafen an, Daß Nantchen dann, So fest sie schlief, Mich hört' und rief:

Was fehlt dir, Mann? „Ach! Stamford liegt, – Sieh hier! – erschossen!“ Im Traum' doch? Possen!

Der Traum betrügt! Ermuntre dich, Und sey vergnügt! Denn der hier liegt,

Mann! das bin ich! – „O! Gott sey Dank! So lebt er? – doch, Ist er wohl noch

Gesund? Nicht krank?“ Wie können doch Dir Träume, Kind, Den Schlummer rauben,

Die, kannst mir glauben, Nur Täuscher sind. Um einen Traum Sich so betrüben!

Er hat ja kaum An dich geschrieben? Wer wird gleich schier Das schlimmste wähnen?

Komm'! laß die Thränen Abtrocknen dir! – Nun Herz! schlaf' ein! Und Stamfords Wächter

Wirst du, Gerechter Im Himmel, seyn! – „Das wird er seyn! Wohlan, ihr Zähren,

So haltet ein. Wann Gott gewähren Den Wunsch mir wird, Daß nicht die Klinge

Des Kriegs mehr schwirrt, Und ich den Freund Wie sonst umschlinge: Dann weinet beide

Ihr Augen, weint Gott Dank, ihm Freude!“

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.