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1784

Die Nuß

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Geröthet von der Sonne, hing Einst eine Nuß am Baum'; Ich war ein Knab', und so ein Ding So recht für meinen Gaum.

Ich kletterte den Baum hinan; Mein war die Nuß! hinein Biß ich, fing aber hurtig an Sie wieder auszuspein.

Mit Tugend auf der Stirne, stand Ein Mädchen einst am Bach'; Ich war ein Jüngling, und empfand Die Liebe allgemach.

Ihr Herz war sanft; ich bat darum; Mein ward's, nach langem Harr'n. Drauf nahm sie mir's, weiß nicht, warum? Und schenkt' es einem Narrn.

Mit Weisheit auf den Lippen, saß Ein Autor einst bei mir; Ich war ein Mann, und hört' und las Die Weisen mit Begier.

Ich warb um seine Freundschaft zwar, Mein ward sie auch; darauf Gab aber mich sein Golddurst gar Für einen Schurken auf.

Itzt seh' ich erst bei Nüssen zu: Zernagt' ein Wurm den Kern? Bei Mädchen: Aendert sie ein Nu? Beim Mann': Was lockt den Herrn?

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Die Nuß · Leopold Friedrich Günther von Goeckingk · Poetry Cove