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1784

An ihr Halstuch

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Gleich ihr, so prunklos, so bescheiden! Und doch – um Goldstoff tauscht' ich's nicht. Es weiß allein um ihre Leiden, Und sah allein bei Mondenlicht

Des Mädchens stille Thräne rinnen, Und fing sie im Verborgnen auf, Und hört' allein ihr Seufzen: Weg von hinnen! Hinauf! zu Gott hinauf!

Auch meine Thränen hat's getrunken, Als ich – o Nacht des neunten März! – An ihrem Busen lag, versunken In Lieb', in Mitleid und in Schmerz.

Da stand der Puls der Adern stille, Da schlossen Auge sich und Ohr, Da hob nicht mehr selbst diese leichte Hülle Ihr Busen noch empor.

Sie gab mir, wach aus diesem Schlummer, Von unsern Thränen noch benetzt, Dich, Zeuge sonst von meinem Kummer, Und meiner Freude Zeuge jetzt.

Sey du durchs Leben mein Begleiter; Mehr wirkst du, als ein Talismann. Die dich mir gab, war selbst bei Schmerzen heiter, Und duldet' als ein Mann.

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