Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
Ich soll nicht dichten, Weil als Poet Nichts auszurichten Beim Glücke steht!
Du magst die Kunst, Der wir uns weihen, Mit Spöttereien Als blauen Dunst
Nach Lust verschreien Allein, mit Gunst! Mein lieber Mann, Wie fang' ich's an,
Um auch so reich Wie du, zu werden? Mit Kutsch und Pferden, Fährt man nicht gleich,
Wenn man auch Uzen Sein Scherzgedicht Weiß aufzumutzen, Und viel vom Nutzen
Des Geldes spricht. Wer seinen Frack Nicht darf erwerben, Nur einen Sack
Voll Doppelbatzen, Wie du, ererben, Der hat Geschmack, Und hat gut schwatzen!
Doch nimm, (ich wage Drauf Wett' und Strauß!) Den Kaufmann aus, Dann geh und frage
Von Haus zu Haus, In Hamburg, Danzig, Kurz, Stadt für Stadt, Ob unter zwanzig
Nur einer hat Ein Rittergut Durch sie erworben, Wie dein Baruth?
Und hat er's? Gut! So sind Gewissen Und Edelmuth Ihm erst gestorben;
Denn sterben müssen Sie beid', o Mann! Steckt sie die Hektik Der Dialektik
Des Wuchers an. Dein Engeland, Mein Lieber, fand Das Sprüchwort witzig,
Wohl oft auch wahr: Uneigennützig Zu handeln, sey Ein Kleinod zwar,
Doch könne gar Bequem, dabei Der Herr Besitzer Als Bettler sterben.
Wird's drum unnützer, Sich's zu erwerben? O welch Verderben Der Welt! o Zeit!
O Sitten! schreit Der Moralist, Der eifernd, immer So leicht vergißt,
Daß oft noch schlimmer Das Menschenvieh Gewesen ist, Doch besser, nie!
Philosophie, Was man sich plage, Lehrt dennoch nicht In Jahr und Tage,
Die schwere Pflicht Den Narrn zu dulden, Der einen Gulden Weit höher schätzt,
Als alle Thaten, Vom Dank' der Staaten In Stein geätzt, Als alle Säulen,
Die noch bisweilen Erhabner Tugend Ein Weiser setzt, Und edle Jugend
Mit Thränen netzt. Er hat Verstand, Weil zum Verrathen Er neue List
Und Trug erfand, Weil er den Braten Der Wittwe frißt, Ja selbst die Ruben
Der Waise raubt; Doch, solchen Buben Verachten, ist Zum Glück' erlaubt.
Und dir, mein Lieber, Dir selbst ja, kocht Die Gall' oft über, Wenn auf sein Gold
Ein Wuchrer pocht. Dem Golde hold, Bist du denn doch Weit holder noch
Dem braven Manne, Der keine Spanne Vom Weg' abweicht, Den ihm die Ehre
Zu wandeln zeigt. Wohlan denn! lehre Du mich die Kunst, Des Glückes Gunst
Mir zu erwerben, Allein dabei, Der Ehre treu, Einst froh zu sterben.
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