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1709

Glaube und Hofnung

Johann Christian Günther

Mein Vertrauen gründet sich Auf zwey Pfeiler, die nicht wancken: Glaub und Hofnung führen mich Durch die engen Lebensschrancken

An das Ziel, wo Kampf und Streit Lorbeerkränze prophezeit. Eher wird ein morsches Rad Neunzig Centner und den Wagen

Als ein zweiflender Soldat Einen Zweig von Palmen tragen; Läufer, die der Kranz erhizt, Eilen, ob der Fuß gleich schwizt.

Ohne Glauben, ohne Licht: Niemand sizt im Finstern sicher, Ohne Glauben siegt man nicht. Redet selbst, ihr stummen Bücher:

Abrahams Gerechtigkeit Ist des Glaubens Ehrenkleid. Auch die Hofnung stärckt das Herz: Creuz und Christ sind gerne Brüder.

Hält nun gleich ein herber Schmerz Meine Großmuth an und nieder, Ach, so fällt mir dennoch ein: Nach den Thränen schmeckt der Wein.

Niemahls wird ein Heldenmuth In der Kummersee ersaufen; Noä Kasten trozt die Fluth, Bis die Wäßer sich verlaufen.

Wer den Hofnungsancker hat, Findet bald ein Ararat.

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