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1709

An seine Schöne

Johann Christian Günther

Was vor Rosen, schöner Engel, Laufen durch dein Angesicht, Da mein Vorwiz einen Stengel Von den reinen Lilgen bricht,

Die in deinem Wollustgarthen Auf die Hand des Bräutgams warthen? Doch warum würckt mein Erkühnen Einen solchen Streit in dir?

Scham und Zorn verwirrt die Mienen Deiner angebohrnen Zier, Und ich kan aus deinen Sternen Meines Unglücks Zukunft lernen.

Aber, ach, verdient mein Scherzen Wohl dergleichen Tyranney, Daß mein Bildnüß deinem Herzen Ewiglich ein Greuel sey?

Nein, ich will es noch nicht hofen, Daß mein Argwohn eingetrofen. Schau nur selbst, die zarten Brüste Blicken mich so liebreich an,

Daß ich nach der Milch gelüste Und mich kaum enthalten kan, Bey so wohlbestellten Sachen Dich noch einmahl roth zu machen.

Hemme, schönes Kind, dein Schelten Und vergieb die Frevelthat; Las auch nicht den Mund entgelten, Was die Hand verbrochen hat!

Ich will, einen Grif zu büßen, Dich zur Strafe zehnmal küßen.

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An seine Schöne · Johann Christian Günther · Poetry Cove