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1709

An seine Magdalis

Johann Christian Günther

Erzehlt, ihr kalten Nordenwinde, Die Seufzer meiner Schäferin, Verkündigt dem verlaßnen Kinde, Daß ich der alte Redlich bin,

Und macht ihr diese Botschaft kund: Das Herze liebet wie der Mund. Des Monden Antliz sieht die Fluthen Der stummen Wehmuth kläglich an,

Die Geister wollen mir verbluten, Weil ich mein Kind nicht sprechen kan; Ich dencke der vergangnen Zeit, Von der mich die Verschwendung reut.

Der Elbstrom fällt mir in die Augen, Sein Eiß erhizet meinen Geist. Ach, könt ich jezt die Küße saugen, Die mich zuvor vollauf gespeist,

Ich wollte meinen Fuß bemühn Und gar von hier nach Breßlau ziehn. Geliebtes Schweidniz, das Vergnügen, So mich bey dir im Schooße trug,

Wird nicht so bald mein Herz besiegen, Das von der Wollust heftig schlug, Wenn die getreue Magdalis Mich brünstig in die Armen riß.

Die Zeiten sind bereits gestorben; Drum fluch ich der Vergängligkeit, Die mir und ihr den Schmerz erworben, Den unser Abschied prophezeit,

Da mich das werthe Sachsenland Von meiner Schäferin getrand. Getrand, doch nur auf kurze Jahre! Verliebte Sehnsucht, faße dich!

Der Kummer findet seine Baare, In dieser Hofnung tröst ich mich Und lege mir den Wahlspruch bey: Bedrängt, geduldig und getreu.

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