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1709

An eben dem vorigen Feste

Johann Christian Günther

Der Heiland sprach zu seiner Schaar: Ihr seyd das Salz der Erden, Das Salz taugt ohne Kräfte nicht Und muß zertreten werden.

Ihr seyd mit mir das Licht der Welt, Den Schatten zu vertreiben, Die Stadt, so auf dem Berge liegt, Mag nicht verborgen bleiben.

Das Licht muß in dem Hause stehn, Nicht unter Scheffeln brennen: Last euer Licht die Menschen sehn Und eure Wercke kennen,

Damit sie alle mir durch euch Im Wandel Ehr erweisen Und diesen, welcher mich gesand, Als unsern Vater preisen.

Der Heiland lehrt hiermit sein Volck, Das Wort nicht nur zu faßen; Denn dies will nicht allein das Ohr, Es fodert Thun und Laßen.

Wer christlich glaubt und heidnisch lebt, Der schimpft des Höchsten Lehren Und wird das, was der Mund erbaut, Durch böse Frucht zerstören.

Des Guten soll man vor der Welt Sich nun und niemahls schämen, Es kan sich mancher unverhoft Ein seelig Beyspiel nehmen.

Das Leben zeigt den Christen an, Der, was er thut und dencket, So insgeheim als ofentlich Zu Gottes Ehre lencket.

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An eben dem vorigen Feste · Johann Christian Günther · Poetry Cove