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1793

2.

Karoline von Günderode

Den Liljenleib des Purpurs dunkler Schleier Dem irren Blick der Göttin halb entzieht; Der Trauer Bild, die Anemone, blüht So weiß als roth zur stillen Todtenfeyer.

Erloschen ist in Ihm des Lebens Feuer, Sein todtes Aug' die Blume nimmer sieht. – Doch plötzlich schmilzt der Göttin Leid im Lied, Die Klage tönt, die Seele fühlt sich freier.

Ein Kranker, der des Liedes Sinn empfunden, Durch Ihrer Töne Zauber soll gefunden. – Der Andacht gerne Liebe sich vertraut. Und glaubig einen Tempel er sich baut,

Auf daß er pflege in dem Heiligthume Der Sehnsucht Kind die süße Wunderblume.

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