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1761

Ein Traum

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Bald hätte mich in dieser Nacht, Ein Traum ins Todtenreich gebracht. Mich deucht, ich ritt spatzieren, Die Grillen zu verlieren;

Da traf ich, welch ein Glükke! Mein Mädchen auf der Brükke, Auf die ich einst, mit Ruthen, schlug, Als sie mein Mädchen von mir trug.

Itzt wards, in ofnem Wagen, Von Rappen hergetragen. Wir sahen uns, o Freude! Mich deucht, wir wünschten beide:

Ach möchte doch, uns zu erfreun, Die Mutter nicht im Wagen seyn! Indem der Wunsch geschahe, Kam uns ein Tolpatsch nahe,

Und, ach! für seinen Lappen, Erschrekken sich die Rappen, Und springen seitwerts in den Fluß, Daß auch der Wagen fallen muß!

Da fällt, ach Ungelükke, Mein Mädchen von der Brükke! Mein Blut fängt an zu wallen, Ich denk ihm nachzufallen.

Mein Mädchen stirbt! ach, welche Noth! Im Wasser ... Wasser sei mein Tod! Drauf soll mein Pferd sich schwingen, Und schnell ins Wasser springen.

Allein, es bäumt zurükke, Und will nicht von der Brükke, So traurig auch der Reuter sprach: Ach, springe doch dem Mädchen nach!

Itzt wach ich, und es kommt gelaufen: Nun werd ich mich wol nicht ersaufen.

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Ein Traum · Johann Wilhelm Ludwig Gleim · Poetry Cove