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1719–1803

Die Reue.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Doris, sieh, die falben Blätter, Sieh, hier werden sie zu Leichen! Wilst du nicht den Herbst verachten? Sieh, er raubt uns Laub und Schatten

Und die Sänger, auf den Zweigen, Jagt er aus den grünen Zellen In die Ritzen hohler Klippen! Werden sie nun noch wol singen?

Doris, nein, sie werden schweigen, Und sie haben schon geschwiegen, Als du gestern früh, im Garten, Mich mit tausend Küssen labtest.

O wir werden ihre Lieder Küssend wünschen und nicht hören. O wie lange wird es währen, Daß sie froh zu deinen Küssen

Ihre Lieder wieder singen? Engel, ietzt empfinde Reue; Denn, am zwanzigsten des Maien, Als dich Nachtigallen lokkten,

Woltest du nicht immer küssen! Wenn sie künftig wieder lokken, Wilst du dann nicht immer küssen?

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