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1761

Die Jugendlust

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Laßt den alten Ehrenmann Unsre Jugend schelten! Weil er es nicht lassen kann, Soll ers nicht entgelten.

Weiß er doch, worauf er schilt, Was ihm ietzt so wenig gilt, That er sonst nicht selten. Ist es denn nicht Zeit genung

Zu den bittern Klagen? Alter! warum wär ich iung? Etwa mich zu plagen? Sprich nur, ob dein Herz nicht spricht:

Thu' es erst, wenn Muth gebricht, In den alten Tagen. Alter schweig! ich weiß, ich bin Auf dem rechten Wege.

Bruder sieh! mein froher Sinn Ist nicht faul noch träge. Sieh! es macht kein Kummerschweiß, Nein, ein iugendlicher Fleiß

Diese Herzensschläge. Mütter hört dem Vater zu, Höret seine Lehren. Bruder – – – – ich und du

Dürfen sie nicht hören. Nimm das Glas, das Doris hält. Wäre dis die beste Welt, Wenn wir müßig wären?

Bruder! ia, dich lehrt der Wein Deine Weisheitssprüche. Könnt ich wohl dein Bruder seyn, Wenn ich dir nicht gliche?

Nein, wir wären nicht gescheut, Wenn ein Tropfen Lebenszeit Ohne Lust verstriche. Brüder! ruft die Warheit aus

Auf den Bacchusfesten. Und die bittet auf den Schmaus, Wählet die zu Gästen, Welche längst, wie wir, gewußt,

Welten voller Jugendlust Sind die allerbesten.

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