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1719–1803

Die Brüderschaft.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Laßt mich lachen, laßt mich scherzen, Denn was hilft mir Gram und Sorge. Weg, verdammter Schwarm der Grillen! Weg, und schwärme schnell und sicher

Nach den Feinden meiner Freude. Komm! du Stifter des Vergnügens, Komm! du Freund von Lust und Brüdern, Komm! es soll der Saft im Glase,

Den du aus den Trauben drükkest, Grillen, Gram und Haß ertränken. Trinke mit, vergnügter Vater, Bringe mir don vollen Römer,

Ich will ihn dem Nachbar bringen, Und der Nachbar soll ihn nehmen Und ihn andern Nachbarn bringen, Bis ihn dir der letzte Nachbar

Voll und perlend wieder bringet. Dann sollt du von forne trinken, Und dann werd ich wieder dursten, Und ihn freudig wieder leeren,

Und, durch deinen Kuß berechtigt, Werd’ ich mich zum Bruder trinken. Bruder Weingott! ia, ich merke, Ja, ich bin bereits dein Bruder.

Küsse mich, ich will dich küssen, Daß sich Treu und Bruderliebe Durch den Bruderkuß verstärke. Bruder, gnug! sie ist gestärket,

Laß mich nun die Brüder küssen. Brüder! habt ihr keine Schwestern? Nun sind sie mir auch verschwistert. Holt sie mir, ich will sie küssen.

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Die Brüderschaft. · Johann Wilhelm Ludwig Gleim · Poetry Cove