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1761

Die Aerzte

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Durch den Anblikk holder Nimfen, Durch die Würkung sanfter Hände, Frischer Wangen, schwarzer Augen Senken sich in Geist und Glieder

Neue Kräfte, neues Leben. Wenn ich, voll von Schlafsucht, liege, Darf mich nur Dorinde kützeln, Plötzlich hör' ich auf zu schlafen.

Wenn mir Kopf und Wangen schmerzen, Darf Sie sie nur einmal streicheln, Plötzlich weichen alle Schmerzen. Neulich raubte mir ein Fieber

Kraft und Lust aus allen Nerven, Und ich fing schon an zu sterben; Aber Doris, meine Taube, Strich, mit sanften Liebeshänden,

Alle halberstorb'ne Glieder, Und indem ich sterben wollte, Küßte sie zum Abschiedsseegen Noch einmal die blassen Lippen,

Plötzlich hört' ich auf zu sterben. Plötzlich flohen Brand und Fieber, Plötzlich ward ich froh und munter. Zwanzig Stunden nach dem Kusse

Fühlt' ich schon in allen Gliedern Neue Kräfte, neues Leben; Und nach zwanzig andern Stunden Hatt' ich mir, mit neuen Kräften,

Schon die Lippen roth geküsset. Doris! dein Genesungsmittel Hat den Beifall aller Aerzte; Aber lehr es keinen Aerzten,

Spar es nur für meine Fieber, Und verschreib es keinen andern. Deinen Schwestern kannst du's lehren.

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Die Aerzte · Johann Wilhelm Ludwig Gleim · Poetry Cove