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1719–1803

Der Regenbogen.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Blöder Schönen blasse Wangen Werden schnell vor Scham erröthet, Wenn sich bei der lieben Mutter Ein erwünschter Bräut’gam meldet;

Wenn sie, auf Befehl der Mutter, Seinen ersten Kuß empfinden, Wird das holde Roth erhöhet, Und dann gleicht es iungen Rosen.

Aber wenn sie, ohne Mutter, Küssen und sich küssen lassen, Dann beschämt das Roth der Wangen Alle Rosen, allen Purpur.

Laßt mir tausend solche Wangen Um den halben Himmel setzen; Setzt sie mir in runder Ordnung Unter diesen Regenbogen:

Plötzlich soll er sich verliehren, Denn er soll dem Wangenbogen, Wie der Mond der Sonnen weichen.

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Der Regenbogen. · Johann Wilhelm Ludwig Gleim · Poetry Cove