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1761

Das Thierchen ohne Nahmen

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Am zwanzigsten des Maien, An dem du mich, o Doris, Nicht immer küssen woltest, Saß an dem weissen Halse

Der freundlichen Filinde Ein kleines schwarzes Thierchen. Ich weiß es nicht zu nennen; Dis weiß ich, daß es hüpfet,

Wie Grasepferde hüpfen, Und daß es oft entwischet, Wenn es erzürnte Schönen, Im freien Felde iagen.

Ein Kenner der Insekten, Beschrieb mir iüngst das Thierchen. Er sprach: Es wird bei Schönen Geboren und erzogen,

Es wohnet bei den Schönen, Und wagt sich nur zu Männern, Wenn sie mit Schönen spielen. Ein solch beglükktes Thierchen

Saß an dem weissen Halse Der freundlichen Filinde. Ich wolt es schnell erhaschen, Und dann wolt ich es fragen;

Wie wohnt es sich bei Schönen? Allein es sprang vom Halse, Und hüpfte nach den Hügeln, Die an dem Halse grenzen.

Ich sah es wieder sitzen. Es sah sich um, und lachte, Und, triegen nicht die Minen, So schiens, als wolt es sprechen:

Nun solt du mich nicht kriegen, Itzt will ich weiter hüpfen. Du darfst mich nicht verfolgen, Wohin ich itzo hüpfe.

Du hörtest nicht, Filinde, Als ich zum Thierchen sagte: Adieu du kleiner Springer, Dürft ich dich nur verfolgen,

Wie bald wolt ich dich kriegen!

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