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1719–1803

An Doris.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Künstlerinn! wir künsteln beide, Du kannst stikken, ich kann malen. Aber stikkst du denn nur Blumen? Kanst du nicht mit goldnen Faden

Knaben oder Mädchen stikken? Wag’ es nur, du wirst es können. Aber erstlich stikke Knaben. Stikke solche, wie ich male,

Ohne Perlen, ohne Purpur, Wie sie sich im Grünen iagen, Oder wie sie sich das Hemde Vor den Augen blöder Nimfen

Vorwerts auf die Knie halten. Sieh’ sie selbst, hier sind im Buche Zwanzig Knaben abgeschildert, Wähle dir den besten Knaben,

Nimm den Losen, der so lächelt, Oder ienen, mit dem Bogen, Der dich mit dem Pfeile drohet, Nimm sie nicht, hier sind noch andre,

Sieh sie an, und wähle selber, Ich will sehn, wie gut du wählest. Diesen Knaben wilst du stikken? Diesen, der nach Küssen schmachtet?

Der halbnakkend sich nicht schämet? Doris! dieses bin ich selber. Hat mein Pinsel mich getroffen? Kennst du mich an diesen Zügen?

Gut! du solst mich selber stikken. Aber erst must du mich schildern. Höre nur, wir wollen tauschen. Ich will stikken, du solst malen.

Hurtig gib mir Gold und Nadel, Diese Rose will ich enden; Denn sie wird in blauer Seide Einst auf deinem Busen blühen.

Unterdeß kanst du mich malen, Und sobald du mich gemalet, Solst du das Gemälde stikken. Da! hier hast du meine Farben!

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