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1761

An den Winter

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Winter mit dem grauen Barte, Mit den angefrornen Lokken, Willst du denn nicht einmal lachen? Sind die Lippen zugefroren?

Komm herein, was stehst du draussen? Komm herein, du sollst schon thauen. Sieh! wie störrisch sind die Minen. Bist du denn ein Feind der Freude?

Willst du meine Lust verdammen? Gut! so will ich dich nicht bitten. Aber sei nur immer störrisch, Mache Felder, mache Fluren,

Mache Berg' und Thäler traurig, Mich sollst du nicht traurig machen. Tödte diese frische Lilgen, Tödte diese iunge Rosen

Auf den iugendlichen Wangen, Tödte sie einmal zum Scherze; Aber laß mir nur die Rosen Auf den Wangen, auf den Busen

Meiner braunen Doris blühend: Dann so soll sie dich beschämen, Dann soll sie mit einem Kusse Meinen halberstorbnen Wangen

Alle Rosen wieder geben; Dann soll sie mit ihren Lippen Meine Lippen schöner färben. Alter! willst du's selbst versuchen?

Komm! sie soll dich einmal küssen; Dann sollst du, wir wollen wetten, Bald dein Pelzwerk von dir werfen. Dann sollst du vor Hitze dursten.

Komm! hier ist schon was zu trinken.

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