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1761

Amor im Garten

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Die Sonne sank nach Westen, Und machte noch im Sinken Die letzte Abendröte; Als mich ein kühler Zefir

Aus meinem Zimmer lokkte. Ich folgt ihm in das Grüne, Wo tausend Rosen blühten, Um die er gaukelnd scherzte.

Der Büsche kleine Sänger Ergötzten mich im Stillen, Und meine Augenlieder Befiel ein süsser Schlummer.

Ich träumte von der Liebe, Ich träumte von Dorinden, Von vielen andern Schönen, Und von der lieben Venus.

Ich küßte sie im Traume, Ich saß auf ihrem Schosse, Und sagt ihr von Dorinden. Sie hielt mich in den Armen,

Und sprach: Sie soll dich lieben. Schnell ward ich wieder munter. Ich sah mich um und lauschte; Denn unter frischen Rosen

Fand ich mich ganz begraben. Ich sprang von meinem Lager, Den losen Gast zu suchen, Der mich so schön bedekket;

Allein im schnellen Springen Empfand ich plötzlich Schmerzen. Ein kleines Kind mit Flügeln, Das ich noch nie gesehen,

Saß lächelnd hinterm Busche Und sprach: Dis kann mein Bogen, Und wies mir mit dem Bogen Dorinden in der Laube.

Ich weiß nicht, welche Wunde! Sie schmerzt, und that doch sanfte, Und, als ich nur die Schöne Drauf in der Laub' erblikkte,

Verschwanden alle Schmerzen; Denn sie war gar zu freundlich.

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