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1719–1803

Amor, ein Werber.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Amor wirbt, ich seh ihn werben. Wie geschäftig, und wie freundlich Dringt er sich in alle Haufen. Doch! er ist nicht iedem sichtbar.

Seht! ietzt geht er mit spatziren, Seht! ietzt führt er die Geworb’nen An den Händen treuer Freunde, Unter Weiden oder Linden;

Und, gesichert für Verrätern, Schweren sie zu seiner Fahne. Seht ihn bei den Uberläufern, Seht doch! er bedekkt mit Larven

Wangen, welche leicht erröten, Und entführet sie den Wächtern, Und verbirgt sie für Verrätern, Und begleitet sie zum Tanze,

Und entdekkt sie nur dem Tänzer, Dem er sie zum Tanze bringet. Graun und Cato Er bestellt in weissen Sälen

Spieler zu den Spielerinnen, Tänzerinnen zu den Tänzern, Und Verliebte zu Verliebten; Und dann wirbt er sich die Besten.

Wenn es ihm an Volke fehlet- Darf er keine Trommel rühren. Alle Strassen voller Schlitten, Alle Säle voller Larven,

Alle Böden voller Tänze, Alle Stühle voller Andacht, Alle Bänke voller Weisen, Alle Gärten voller Rosen,

Alle Ufer klarer Bäche, Alle Logen und Parterren Dienen ihm zu Werbeplätzen. Seht! dort führt er die Geworb’nen

Durch die Thür des Operhauses; Sagt mir, konnten einst die Preussen Ihre Riesen besser werben?

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