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1761

6. Ein Sperling und eine Taube

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Ein loser Sperling sprach zu einer frommen Taube, Als wär's sein rechter Ernst: Frau Nachbarin, ich glaube, Gott schuf den Menschen uns zu unserm Dienst – Er streut, Und zwar mit aller Freundlichkeit,

Uns unser Futter alle Morgen Vor unsern Schnabel! – Nahrungssorgen Hat Er: und wir, wir Kinder der Natur, Wir essen, und wir lieben nur!

Mit nichten, sagte da die Taube, Das Futter streut der Mensch nicht dir; Er streut es meinem Mann und mir! Ja, mir allein, und meinem Mann!

Du bist ein Dieb, du lebst vom Raube. Dein Glaub' ist falscher Glaube, Den ich an dir nicht leiden kann!

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