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1827

Vom Jüngling Sangesmuth

Adolf Glaßbrenner

Es zog ein Jüngling Sangesmuth Wohl über Berg und Thal, Sein Herz war stolz, sein Sinnen gut, Er liebte die Menschen zumal.

Eichen, Rosen, Veilchen, Warte noch ein Weilchen. Da kam er vor ein Königsschloß, Die Laute in der Hand,

Wo manche stille Thräne floß Herum im weiten Land. Eichen, Rosen, Veilchen, Warte noch ein Weilchen.

Der König hat ihn kaum erschaut, Rief er ihn vor den Thron: Nun singe mir von deiner Braut, Von der Liebe süßem Lohn!

Eichen, Rosen, Veilchen, Warte noch ein Weilchen. Die Freiheit, das ist meine Braut, Herr König auf dem Thron!

Die Menschen lieb' ich, Menschenglück Ist meiner Liebe Lohn. Eichen, Rosen, Veilchen. Warte noch ein Weilchen.

Der König warf ihn in den Thurm: Da singe Freiheitssang! Da sei dir Hörer Kröt' und Wurm Dein ganzes Leben lang!

Eichen, Rosen, Veilchen, Warte noch ein Weilchen. Wie ist das Land umher so grün, Wie rauscht der Eichenwald!

Wie duftig hier die Blumen blühn, Wie froher Sang erschallt! Eichen, Rosen, Veilchen, Warte noch ein Weilchen.

Wo's duftig blüht, wo's fröhlich schallt, Da stand ein Königsschloß; Da war es finster rings und kalt, Und manche Thräne floß.

Eichen, Rosen, Veilchen, Warte noch ein Weilchen. Jetzt ist es hier so schön, so schön, Als wär' es immer Mai!

Jetzt sind in Thälern und auf Höhn Die Menschen froh und frei! Eichen, Rosen, Veilchen, Warte nur ein Weilchen.

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