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1836

Das Billet

Adolf Glaßbrenner

„Fremdling, nie der Liebe noch gedacht' ich, Eh' gesehen ich in Deiner Pracht Dich!

Frühinge erlebte Zehn und Acht ich; Schaukelnd in der Jugend bunten Jacht mich,

Sah ich meine Tage fließen; macht' ich Schöne Reime, spielte, sang und lacht' ich,

Und es störte keines Kummers Fracht mich. Da nahmst Du, den in der fremden Tracht ich

An dem Fenster sah, in Deine Acht mich, Fesseltest durch Deiner Reize Macht mich,

Schlepptest in der Lebenssorgen Wacht mich, Wo nun seufzend liege Tag und Nacht ich,

Rufend, während Thränen schleichen sacht sich Aus dem Aug', durch Tausend O und Ach Dich,

Dich, den Jüngling, der so weit gebracht mich! Lange kämpfte in der Zweifel Schlacht ich:

Ob nicht träf' ein niedriger Verdacht mich Dieses Briefes wegen, doch jetzt acht' ich

Mich als Sieg'rin rufend: offen tracht' ich Darnach, daß in Deines Herzens Schacht sich

Gleiche Gluth entzünde, wie entfacht sich In dem meinen! Und nun, Theurer, schmacht' ich,

Bis Du kurz die Antwort schreibst: ‚Es macht sich!‘ Nachdem als Herr den Inhalt des Billetes Pflichtschuldigst ich der Dienerin erklärt,

Rief ich mit wahrhaft königlicher Würde: „Die Bitte dieser Dame sei gewährt!“

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