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1780

Der Priester der Venus

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Der Greis, der so viel Liebesgötter In seinem Busen ausgeheckt, Der sich auf zarte Lotosblätter So oft bey Libern hingestreckt,

Der frohe Greis, der nie getrauert, Als wenn vielleicht der Wein verdarb, Der, von Lyäen selbst bedauert, An einem Traubenkerne starb:

Vor allen Dienern meines Thrones Hast du mein Recht am eifrigsten geschützt, Hast auf die Spötter meines Sohnes Oft rächrisch, wie ein Zevs, geblitzt.

Empfang den Anfang deines Lohnes: Mit diesem Kranz weih ich dich ein, Der Priester meines Reichs zu seyn. Arglistiger! Untreuer! riefen sie,

Ha! soll man dich also, die Nymphen zu erhaschen, In Wäldern lauschend überraschen? Muß man dich darum nur so lange suchen? Wie? Da spring itzt zu, und hasche sie!

Zwo liefen mit mir fort, so sehr ich bat, Die dritte jagte mich mit Drohungen und Minen Und Liljenstengeln hinter ihnen, Wie Amor einst dem Tejer that.

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