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1780

Der Gott der Eifersucht

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Wir waren in Knidos, meine holdselige Chloe und ich. Auf ewig grünem Laube spielen Hier Scherz, und Lenz, und Zärtlichkeit. Die Blumen küssen, Bäume fühlen,

Und Grotten, welche Zephyrs kühlen, Verbergen manchen holden Streit, Wenn eine Dryas hier im Thale Dem jungen Faun zum erstenmale

Mit lautem Zwange Küsse weiht. Mit aufgelöstem Gürtel gingen Die Grazien leicht vor ihr hin, Ein Amor fliegt mit regen Schwingen

Schnell auf die Brust, schnell auf das Kinn, Sucht dort ein Knöspchen anzubringen, Und tändelt hier ein Grübchen hin: Mit himmlisch sanften Liebesschlägen

Lohnt ihm die Göttinn seine Müh: Froh flattert er der Straf entgegen, Und zur Vergeltung küßt er sie. Er wars, der im Geräusch der Blätter

Untreue Küsse rauschen hört, Der Sicherheit in Furcht verkehrt, Die sanftesten mit Wuth bewehrt, Die Edelsten Neid oder Argwohn lehrt,

Ach! jedes Glück der Liebe stöhrt: Ach! der gefährlichste der Götter! Mich nagt bey Chloens besten Küssen Ein banger schrecklicher Verdacht:

„Wie, wenn bey diesen Nektarküssen Ein dritter oft mich still verlacht! O Chloe! sollt ich dieses wissen!“ Dann nenn ich Chloen den Verdacht,

Und Chloe weint; und ich muß reuig flehen: Denn weinen kann ich sie nicht sehen. – Ach! Venus, nimm den Gott zurück! Er bringt mich ewig um mein Glück.

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