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O Jesu Christ, mein schönstes Licht

Paul Gerhardt

O Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen:

Gib, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög umfangen Und als dein Eigentum

Nur einzig an dir hangen! Gib, daß sonst nichts in meiner Seel Als deine Liebe wohne, Gib, daß ich deine Lieb erwähl

Als meinen Schatz und Krone; Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen,

Daß all mein Mut und Sinn In deiner Liebe brennen! Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe!

Wann diese steht, kann nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören,

Lieben, ehren Als deine Lieb und dich, Der du sie kannst vermehren. O, daß ich dieses hohe Gut

Möcht ewiglich besitzen! O, daß in mir dies' edle Glut Ohn Ende möchte hitzen! Ach, hilf mir wachen Tag und Nacht

Und diesen Schatz bewahren Vor den Scharen, Die wider uns mit Macht Aus Satans Reiche fahren!

Mein Heiland, du bist mir zulieb In Not und Tod gegangen Und hast am Kreuz als wie ein Dieb Und Mörder da gehangen,

Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt; Ach, laß mich deine Wunden Alle Stunden Mit Lieb im Herzensgrund

Auch ritzen und verwunden. Dein Blut, daß dir vergossen ward, Ist köstlich, gut und reine, Mein Herz hingegen böser Art

Und hart gleich einem Steine. O laß doch deines Blutes Kraft Mein hartes Herze zwingen, Wohl durchdringen

Und diesen Lebenssaft Mir deine Liebe bringen! O daß mein Herze offen stünd Und fleißig möcht auffangen

Die Tröpflein Bluts, die meine Sünd Im Garten dir abdrangen! Ach daß sich meiner Augen Brunn Auftät und mit Stöhnen

Heiße Tränen Vergösse, wie die tun, Die sich in Liebe sehnen. O daß ich wie ein kleines Kind

Mit Weinen dir nachginge So lange, bis dein Herz entzündt Mit Armen mich umfinge Und deine Seel in mein Gemüt

In voller süßer Liebe Sich erhübe Und also deiner Güt Ich stets vereinigt bliebe!

Ach zeuch, mein Liebster, mich nach dir, So lauf ich mit den Füßen; Ich lauf und will dich mit Begier In meinem Herzen küssen.

Ich will aus deines Mundes Zier Den süßen Trost empfinden, Der die Sünden Und alles Unglück hier

Kann leichtlich überwinden. Mein Trost, mein Schatz, mein Licht und Heil, Mein höchstes Gut und Leben, Ach nimm mich auf zu deinem Teil,

Dir hab ich mich ergeben. Denn außer dir ist lauter Pein, Ich find hier überalle Nichts denn Galle;

Nichts kann mir tröstlich sein, Nichts ist, das mir gefalle. Du aber bist die rechte Ruh, In dir ist Fried und Freude,

Gib, Jesu, gib, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide! Sei meine Flamm und brenn in mir, Mein Balsam, wollest eilen,

Lindern, heilen Den Schmerzen, der allhier Mich seufzen macht und heulen. Was ists, o Schönster, das ich nicht

In deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, Mein Quell, da ich mich labe, Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot,

Mein Kleid vor Gottes Throne, Meine Krone, Mein Schutz in aller Not, Mein Haus, darin ich wohne.

Ach, liebstes Lieb, wann du entweichst, Was hilft mir sein geboren? Wann du mir deine Lieb entzeuchst, Ist all mein Gut verloren.

So gib, daß ich dich, meinen Gast, Wohl such und bester Maßen Möge fassen Und, wenn ich dich gefaßt,

In Ewigkeit nicht lassen! Du hast mich je und je geliebt Und auch nach dir gezogen; Eh ich noch etwas Guts geübt,

Warst du mir schon gewogen. Ach, laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten,

Daß sie mir immerfort Beisteh auf allen Seiten! Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren

Und, wo ich etwa irre geh, Alsbald zurechte führen; Laß sie mir allzeit guten Rat Und gute Werke lehren,

Steuern, wehren Der Sünd, und nach der Tat Bald wieder mich bekehren! Laß sie sein meine Freud im Leid,

In Schwachheit mein Vermögen, Und wann ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu,

Herr Jesu, bei mir stehen, Luft zuwehen, Daß ich getrost und frei Mög in dein Reich eingehen!

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