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Herr, was hast du im Sinn?

Paul Gerhardt

Herr, was hast du im Sinn? Wo denkt dein Eifer hin? Von was für neuen Plagen Soll uns der Himmel sagen?

Was soll uns armen Leuten Der neue Stern bedeuten? Die Zeichen in der Höh Erwecken Ach und Weh,

Es hats in nächsten Jahren Die ganze Welt erfahren: Die brennenden Kometen Sind traurige Propheten.

Sie brennen in der Luft, Und unsers Herzens Kluft Ist blind und kalt zum Guten, Erkennet nicht die Ruten,

Die uns zu unsern Wunden Des höchsten Hand gebunden. Kein Mensche hört fast mehr, Was Gottes Geist uns lehr

In seinen heilgen Worten; Drum muß an so viel Orten Von großem Zorn und Dräuen Das Sternenland selbst schreien.

Die Welt hält keine Zucht, Der Glaub ist in der Flucht, Die Treu ist hart gebunden, Die Wahrheit ist verschwunden

Barmherzig sein und lieben, Das sieht man selten üben. Daher wächst Gottes Grimm Und dringt mit Ungestüm

Aus seines Eifers Kammer Und will mit großem Jammer, Wo wir uns nicht bekehren, Uns allesamt verheeren.

Und das will der Prophet, Der in der Luft da steht, Uns, die wir sicher leben, Klar zu verstehen geben

Mit seinem hellen Lichte Und klarem Angesichte. Sein Lauf ist gar geschwind. Ach, Gott, laß unsre Sünd

Uns nicht geschwind hinrücken Und eilends unterdrücken; Laß uns der Strafen Haufen Nicht plötzlich überlaufen!

Sein Strahl ist breit und lang, Macht uns fast angst und bang, Ach, Jesu, hilf uns allen, Auf das nicht auf uns fallen

Die hochbetrübten Zahlen Der letzten Zornesschalen. Erhalt uns unsern Herrn, Den schönen edlen Stern,

Laß uns sein Licht beleuchten, Laß seinen Tau uns feuchten, Daß wir uns seiner freuen Und unter ihm gedeihen.

Laß auch noch immerfort Dein liebes wertes Wort In unserm Land und Grenzen Schön rein und helle glänzen;

Wenn dein Wort uns nur blicket, So sind wir gnug erquicket. Gedenk an deine Güt Und laß doch dein Gemüt

Erweichen von uns Armen! Regier uns mit Erbarmen, Damit die bösen Zeichen Ein gutes End erreichen!

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