Skip to content
1742

Vom Tode

Christian Fürchtegott Gellert

Meine Lebenszeit verstreicht, Stündlich eil ich zu dem Grabe; Und was ist's, das ich vielleicht, Das ich noch zu leben habe?

Denk, o Mensch! an deinen Tod. Säume nicht; denn eins ist not. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben.

Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben; Nichts wird dich im Tod erfreun; Diese Güter sind nicht dein.

Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugnis gibt, Wird dir deinen Tod versüßen;

Dieses Herz, von Gott erneut, Ist des Todes Freudigkeit. Wenn in deiner letzten Not Freunde hülflos um dich beben:

Dann wird über Welt und Tod Dich dies reine Herz erheben; Dann erschreckt dich kein Gericht; Gott ist deine Zuversicht.

Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott, und bet und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine Zeit ist Gottes Sache.

Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. Überwind ihn durch Vertraun, Sprich: Ich weiß, an wen ich gläube,

Und ich weiß, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: Es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht.

Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken;

Lehre du mich's jeden Tag, Daß ich weiser werden mag!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Vom Tode · Christian Fürchtegott Gellert · Poetry Cove