Skip to content
1833

Sehnsucht

Emanuel Geibel

Ich blick' in mein Herz, und ich blick' in die Welt, Bis vom Auge die brennende Träne mir fällt; Wohl leuchtet die Ferne mit goldenem Licht, Doch hält mich der Nord, ich erreiche sie nicht.

O die Schranken so eng, und die Welt so weit, Und so flüchtig die Zeit! Ich weiß ein Land, wo aus sonnigem Grün, Um versunkene Tempel die Trauben glühn,

Wo die purpurne Woge das Ufer beschäumt, Und von kommenden Sängern der Lorbeer träumt. Fern lockt es und winkt dem verlangenden Sinn, Und ich kann nicht hin!

O hätt' ich Flügel, durchs Blau der Luft Wie wollt' ich baden im Sonnenduft! Doch umsonst! Und Stund' auf Stunde entflieht - Vertraure die Jugend, begrabe das Lied! -

O die Schranken so eng, und die Welt so weit, Und so flüchtig die Zeit!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Sehnsucht · Emanuel Geibel · Poetry Cove