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1833

Nach Sonnenrast

Emanuel Geibel

Nach Sonnenrast, wenn unter Schauern Das Tal versank in Dämmerschein, Da ist mir's oft, als ging' ein Trauern Durch Berg und Flur, durch Baum und Stein:

Als sähn mit brünstigem Verlangen Wie um Erlösung sie mich an: „O nimm von uns dies stumme Bangen, Den schweren tausendjähr'gen Bann!

„Wir starren, weck' uns auf zum Leben! Wir sind gefangen, brich uns Bahn! Laß wieder tönen uns und schweben, Wie wir's im Anfang einst getan.

An deinem Geist laß uns genesen, Daß wir dahinziehn stoffbefreit, Ein spielend Bild nur unser Wesen, Dem Flügel deine Stimme leiht.

Wie wir in Gottes Schoß einst ruhten, Gedanken, los vom Zwang des Orts, So laß uns klingend wieder fluten, Im leichten Element des Worts!“

Das ist der Kreis, durchs All geschlungen, Der Poesie geheimster Sinn; Dem Wort ist alles Ding entsprungen, Ins Wort strebt alles Ding dahin.

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