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1833

Eine Sommernacht

Emanuel Geibel

Wie glänzte tief azuren Der See und rauschte sacht, Als wir von Lindau fuhren In klar gestirnter Nacht!

Sanft weht' es von den Hügeln Und leise wie ein Schwan Mit ausgespannten Flügeln Zog unser Schiff die Bahn.

Sie saß in warmer Hülle, Das Kind an ihrer Brust, Versunken in die Fülle Der Lieb' und Mutterlust.

Und wie ins Sterngefunkel Entzückt ich schaut' empor, Kam leise durch das Dunkel Ihr Flüstern an mein Ohr:

„O Mann, seit uns beschieden Dies süße Glück zu drein, Wie fühl' ich schon hienieden Den ganzen Himmel mein!“

Sie sprach's, und plötzlich linde Umfloß ein Glorienlicht Ihr selig zu dem Kinde Geneigtes Angesicht.

Der Mond war aufgegangen Am Saum des Firmaments, Und übers Wasser klangen Die Glocken von Bregenz.

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Eine Sommernacht · Emanuel Geibel · Poetry Cove