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1833

Dichterlos

Emanuel Geibel

Und so klag' ich zu dir, Vater Apoll! Du aber hörest geduldig Mein leidvoll Schicksal,

Denn wie dein eigenes klingt es; Und an Daphnen gedenkend, Die Jugendblonde, die Frühgeraubte, Lächelst du unter der Strahlenwimper

Mitleidig mich an Und schwichtigst huldreich Mit Leiertönen Mir das stürmische Herz.

Ach, gleich dir Breitet' ich einst im Frührot Liebeverlangend Sehnsüchtige Arme aus.

Aber das reizende Bild, Das heißbegehrte, Floh wie das Reh des Gebirgs Scheu vor mir her,

Nur die unfühlbare Luft Zur Umarmung mir lassend. Vom Gipfel zum wonnigen Tale, Durch die Schatten des dämmernden Waldes

Zog es mich nach In unsterblicher Anmut, Immer den schimmernden Nacken mir zeigend,

Immer nah den beflügelten Füßen, Nimmer erreicht. Wohl rief ich, weint' ich Nach der flüchtigen Liebe,

Und du, o Vater, Träufeltest goldenen Wohllaut In die Stimme des Rufenden Und mischtest mit Nektar

Seine Tränen. Die Blüte der Freude Bracht' ich seitdem Den Gästen zum Mahle,

Zum Herde den Glücklichen, Der Braut zum Feste, Freudlos selber. Ach! Und nun ich endlich

Das selige Kleinod Mit der Spitze des Fingers streife Und tief aufatmend Ermattet sinke:

Hat sich das Köstliche mir Unter den Händen Zum Lorbeer verwandelt. Wohl rauscht er tröstliche Kühlung

Um die pochenden Schläfe, Aber in Schlummer nicht Rauscht er die unauslöschliche Sehnsucht; Und klagen muß ich im Liede

Fort und fort, Wie du, Vater, dereinst Von Pindus' waldigen Gipfeln Um Daphnen klagtest.

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