Skip to content
1833

Aus den Salzburger Tagen

Emanuel Geibel

Deutsches Volk, was säumst du länger? Schau, wie deinem alten Dränger Schon vor deiner Eintracht graust, Wie er mit beklemmten Sinnen

Diese Zinnen Steigen sieht, die du erbaust. Und du wolltest von dem Werke Deines Wachstums, deiner Stärke

Lassen, nun es halb gereift, Weil mit eingezogner Klaue Dir der Schlaue Seinen alten Lockruf pfeift?

Freilich möcht' er dich zerspalten; Kennt er doch den Spruch der Alten: Leicht gebietet, wer entzweit. Freilich drum in die Gemüter

Deiner Hüter Sät er Argwohn, Haß und Neid. Aber laß dich nicht verwirren! Achte seinen Rat dem Girren

Jener ersten Schlange gleich! Baue weiter unverdrossen! Ihm zum Possen Bau' es aus, das deutsche Reich!

Stämme wälz' und Quaderstücke An den Main und wirf die Brücke Über den entsühnten Strom Und, den dort die Fluten waschen,

Aus den Aschen Richt' empor den Kaiserdom! Und zur Antwort auf die leise Buhlende Sirenenweise,

Die so lind sich wiegt im West, Laß verkünden seine Glocken Mit Frohlocken Deines Schirmvogts Krönungsfest!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Aus den Salzburger Tagen · Emanuel Geibel · Poetry Cove