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1833

An eine junge Sängerin

Emanuel Geibel

Ach, noch einmal diese Töne, Die mir Flügel in das schöne Zauberland der Jugend sind! Laß sie schwellen voll und leise!

Diese Weise Sang einst deine Mutter, Kind. Am Klavier dort in der Nische Saß sie, wenn des Abends Frische

Klar ins offne Fenster drang; Golden wob's um ihre Locken, Und wie Glocken Schwebte wogend ihr Gesang.

Ach, das war vor langen Jahren, Eh' ich in die Welt gefahren, Hoch im Sturm noch trieb mein Herz; Aber stets bei ihrem Liede

Kam ein Friede In des Jünglings Lust und Schmerz. Grau jetzt, mit gedämpftem Feuer, Einsam kehr' ich; die mir teuer,

Gingen alle fast zur Ruh'; Sie auch schläft, die süße Rose, Unterm Moose, Doch ihr Ebenbild bist du.

Singe, Kind, und in die blauen Augen laß mich tief dir schauen! Jugendheimwärts träumt mein Sinn, Und von längst entschwundnen Lenzen

Zieht ein Glänzen Durch die müde Brust dahin.

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